
Vor 40 Jahren:
Die Jahrhundertflut in der Nacht zum 17. Februar 1962 an der deutschen Nordseeküste340 Menschen kamen ums Leben, mehrere tausend Stück Vieh ertranken. 28000 Wohnungen wurden beschädigt, 1300 Häuser völlig zerstört.
Die Sturmflut in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 hat sich tief in das Bewusstsein der Menschen eingegraben. Sie war eine der verheerendsten im Elbe-Weser-Raum. Sechs Meter hoch über Normal Null ragten 1962 die Deiche. In der Nacht zum 17. Februar erreichte die Flutwelle an vielen Stellen der Wurster Küste die Krone des Schutzwalls und löste Kappstürze aus.
Am 1. Februar begann sich das Sturmtief über Skandinavien aufzubauen. Es trieb aussergewöhnlich große Wassermassen in die Deutsche Bucht. Drei Tage später drehte der Wind auf West, eine aufgewühlte See peitschte gegen die die Deiche. Mit dem Hochwasser in der Nacht stiegen die Pegelstände auf ein nie gekanntes Maß. In Cuxhaven erreichte der Pegel einen Stand von NN plus 4,95 Meter, in Bremerhaven sogar 5,35 Meter über NN.
Im Kreis Wesermünde schlug 25 Kappstürze in den Deich. Gegen 22 Uhr brachen die ersten Deiche. In Cappel-Neufeld wurden Frauen und Kinder evakuiert. In Schottwarden riss die Flut zwei Löcher in den Deich.
Die Helfer hielten mit 20000 Sandsäcken, 4000 Pfählen und Buschwerk dagegen. Nach einem Tag voller Warnmeldungen ist die Nacht hereingebrochen. Gegen 21 Uhr starten die ersten Rettungsaktionen; Sirenen heulen. Die Telefonverbindung zur Wetterwarte reisst ab, bald versagen Telefon und Stromversorgung überall. Die geschlossenen Slippentore allein können die Wassermassen nicht abhalten. Durch die Ritzen fließt das Wasser, muss mit Sandsäcken aufgehalten werden. Rammen stützen die Tore ab. Doch an der Deichstraße schwappt kurz nach 22 Uhr das Wasser über. Auf der Bundesstraße 6 nach Altenwalde entstehen Staus durch flüchtende Menschen. Die in der Gegenrichtung per LKW anrückenden Soldaten aus dem Altenwalder Fliegerhorst haben Schwierigkeiten durchzukommen. In Duhnen ist der Deich bereits gebrochen, der Dünenstreifen zwischen Duhnen und Döse existiert nicht mehr. Als das Wasser fällt, setzt eine Völkerwanderung zum Hafen und zum Deich ein. In Hamburg sind mehr als 80000 Menschen eingeschlossen und warten auf den Dächern auf Rettung.
Auf Bauernhöfen in Imsum füllten Helfer Säcke mit Sand.
Über Kilometer standen die Sandsäcke in Reih und Glied auf der Deichkrone und zeugten von der Entschlossenheit der Menschen, sich gegen die Naturgewalt zur Wehr zu setzen.
Ein Schiff nach dem anderen funkte SOS. In Bremerhaven drohten die Deiche zu brechen. Nördlich zerstörte die Flut den Deich auf einer Breite von 30 Metern. Zwischen Nordschleuse und Weddewarden wurde der Deich an 15 Stellen ausgehöhlt. Die Mauer der Tiergrotten stürzte zur Weser hin ein. Innerhalb von Sekunden stand der Zoo am Meer unter Wasser. 170 Tiere starben. Mehr als 3000 Helfer von der Bundeswehr, der US Army, Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz versuchten, Schlimmeres zu verhindern. Sie kämpften mit 50000 Sandsäcken gegen die Zerstörungswut des Wassers an.
Gegen 2.30 Uhr am 17. Februar ging das Wasser zurück. Es hinterließ Schäden in Millionenhöhe, vor allem in Hamburg, wo an 60 Stellen die Deiche gebrochen waren und 151 Quadratkilometer Stadt- und Wohngebiete überflutet wurden. Und es blieb die Traurigkeit über den Tod geliebter Menschen.
Verwüstungen an der Columbuskaje: Das Mitteldeck eines Frachters, der nach Boston geschleppt werden sollte, wurde von der Flut bis die Kaje gedrückt. Auf der See funkten viele Schiffe SOS.
Der Tag danach: Gestrandete und zerstörte Kutter lagen in chaotischer Anordnung am Dorumer Tief. 26 wurden stark beschädigt oder ganz zerstört. Auch hier erreichten die Schäden Millionenhöhe.
So friedlich sah es am Tag danach an einem gebrochenen Deich bei Arensch aus.
Kaum wiederzuerkennen am Tag danach: Der Weg zur Alten Liebe in Cuxhaven.
"Die Hände in den Schoß legen konnten die Deichgeschworenen nie. Fast in jedem Jahr werden Millionen investiert, um Ufer zu befestigen oder Buschkästen ins Watt zu setzen, um so die Wucht der Flut zu bremsen. Als weitere Großprojekte plant der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz, Betriebsstelle Stade, die Erhöhung der Hafensperrwerke in Cuxhaven und den Neubau der Hadelnder Kanalschleuse in Otterndorf. Neue Sorgen bereitet den Deichgeschworenen der Wurster Küste, dass die Bremen Ports GmbH als Ausgleich für den Bau des geplanten Containerterminals in Dorum-Neufeld, Cappel-Neufeld und Spieka-Neufeld Ersatzflächen für die Natur herrichten und dazu die Sommerdeiche schleifen will. Diese schützten den Hauptdeich seit Jahren vor den Sommerfluten, sagen Deichverband und Küstenbewohner. Überhaupt berührt es sie tief, wenn Behörden dem Meer Land zurückgeben wollen, das ihre Vorfahren dem "blanken Hans" abgetrotzt haben." (Aus "Küstenschutz bleibt ein Dauerbrenner" - Nordseezeitung vom 16.2.2002)
Chronik:
Seit 40 Jahren führt die Februarsturmflut von 1962 die "Sturmflut-Hitliste" beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Bremerhaven an. Aufgezeichnet werden die Pegelstände seit Beginn der 20. Jahrhunderts.
17 Februar 1962: Das Wasser läuft 5,35 Meter über NN auf
7. Dezember 1973: 4,72 Meter über NN
3. Januar 1976: 5,17 Meter über NN
20. Januar 1976: 4,88 Meter über NN
28. Januar 1994: 4,77 Meterüber NN
10. Januar 1995: 4,74 Meter über NN
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Links zu Sturmfluten
http://www.geschichte.schleswig-holstein.de/vonabisz/sturmflut.htm
http://www.ndr.de/ndr/regional/hh/thema/sturmflut1962/
http://lexikon.wasser.de/index.pl?begriff=Sturmflut&job=te
http://hochwasser.dlrg.de/Einsatz/Einsatz1962/thw1962.htm
http://www.marschundfoerde.de/artikel/sturmflut.html
http://www.marschundfoerde.de/artikel/sturmflut.html
http://www.radiowellesturmflut.de/
http://home.t-online.de/home/Heiner.Schroeder/link3.htm
http://www.jork.de/Rathaus/katastro.htm
http://www.unwetter.de/sturmfl62.htm
http://www.ndr.de/ndr/regional/hh/thema/sturmflut1962/augenzeugen.html
http://www.900jahreneuenfelde.de/DOC/900JNSTURMFLUT1962.HTM
http://www.cuxhaven-fotos.de/cux301263/sturmflut.html
http://www.thw-deich.de/sturmflut.htm
http://www.kollektives-gedaechtnis.de/texte/sechziger/sturmflut_1962.html
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Für weitere Informationen wie private Erlebnisse und Erinnerungen an Sturmfluten sowie über die Zusendung alter Fotos per e-mail an die Adresse Carmeli876@aol.com wäre ich dankbar.
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